Franziska Haug


Themenschwerpunkt: (Queer)Feminismus,Kapitalismus

Sprache/n: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Russisch

Stadt: Frankfurt am Main

Themen: poststrukturalismus, marxismus, ökonomiekritik, antikapitalismus, geschlechterwissenschaften, genderstudies, antisemitismus, popkultur, queer, kapitalismuskritik, popfeminismus, neoliberalismus, care-arbeit, feminismus

Ich biete: Vortrag, Moderation, Seminarleitung, Interview

  Ich bin bereit, für eine Veranstaltung zu reisen.

Biografie:

Franziska Haug hat Germanistik, Soziologie, Kunstpädagogik, Philosophie und Geschlechterwissenschaften studiert. Ihre Magistra-Arbeit schrieb sie zur "Ästhetischen Produktion von Geschlecht bei Lady Gaga".
Sie hat als Lektorin in der deutschsprachigen Literatur im S. Fischer Verlag gearbeitet. Aktuell ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Literaturwissenschaft an der Uni Frankfurt und promoviert zu ästhetischen Verfahren der Produktion von Geschlecht durch Arbeit.
Sie ist aktiv an der Schnittstelle von Queerfeminismus, feministischer Bewegung und Marxismus, Antikapitalismus, Materialismus. Sie erforscht dies vor allem in der Popkultur, der zeitgenössischen Literatur und politischen Bewegungen. Weitere Arbeitsfelder sind der Zusammenhang von Antisemitismus und Geschlecht, insbesondere am Beispiel aktueller Entwicklungen in der LGBTQI* Szene.

Vorträge / Referenzen:

Feministischer Materialismus bei Butler und Marx

Vortrag in der Reihe „Feminismus und Materialismus“ der Kritischen Uni Tübingen (KUT) im SoSe 2019

Gegenwärtige feministische Debatten teilen sich in Deutschland weitestgehend in zwei Lager auf: Auf der einen Seite wird mit Rückgriff auf differenzfeministische Positionen eines universellen „wir“ der Frauen, ein materialistischer oder zuweilen auch frauenpolitischer Feminismus für sich in Anspruch genommen. Auf der anderen Seite steht ein intersektionaler Queerfeminismus mit einem Fokus auf diskursive Identitätspolitik. Erstere Position wirft der zweiten vor, das geschlechtliche und körperliche Subjekt gänzlich in poststrukturalistischer Sprachvermittlung ohne Material und Geschichte aufzulösen. Letztere Position wirft der ersteren vor, eine problematische Essentialisierung der Frau zu betreiben. Besonders in der politischen Praxis grenzen sich beide Ansätze voneinander ab, wenngleich sie analytisch betrachtet einen wesentlichen Knackpunkt teilen: Während die meisten queeren/intersektionalen/postkolonialen Theorien zwar einen bestimmen Historizismus für sich in Anschlag bringen, dabei jedoch nicht materialistisch im Sinne einer ideologiekritischen Gesellschaftskritik operieren, tendieren sich heute als materialistisch verstehenden Ansätze zu einer fehlenden Vermittlung im Sinne der Herstellung des Materials mit der Historie.
So ließe sich verknappend zusammenfassen, dass die einen zwar die (diskursive) Produziertheit des Geschlechts denken können, dabei aber den Zugriff auf dessen spezifische Materialität verlieren. Die anderen fokussieren zwar die Materialität, verlieren aber jeden Sinn für die Produziertheit der Materie, für Performanzen, Anrufungen und Herstellungsverfahren und laufen daher Gefahr, (biologisch) zu essentialisieren.
Mit Blick auf Judith Butlers Bodies that matter soll im Vortrag Materie im Allgemeinen und der (geschlechtliche) Körper im Besonderen als durch die materielle, historische Praxis konstituiert und vermittelt begriffen werden. Entgegen des Vorwurfes, Butler erkläre den Körper als lediglich diskursives Zeichen oder zerstöre mit dem Prinzip der Dekonstruktion des biologischen Geschlechts sämtliche Somata lebender Subjekte, schlägt sie in Bodies that matter eine „[…] Rückkehr zum Begriff der Materie [vor], jedoch nicht als Ort oder Oberfläche vorgestellt, sondern als ein Prozeß der Materialisierung, der im Laufe der Zeit stabil wird, so daß sich die Wirkung von Begrenzung, Festigkeit und Oberfläche herstellt, den wir Materie nennen.“ (Butler 1997, 32) Butlers Augenmerk liegt hierbei nicht auf der Untersuchung des ontologischen oder phänomenologischen Status von Materialität, sondern vielmehr auf der Frage, wie Materialitäten hervorgebracht werden. Nur über die Analyse der Hervorbringung ließe sich, so Butler, nachvollziehen, dass Materie kein festes Unveränderliches ist, sondern durch permanente wiederholende Prozesse erst konstituiert wird. Sie wendet sich damit „[g]egen die Behauptung, der Poststrukturalismus reduziere alle Materialität auf linguistischen Stoff […]“ (ebd., 55) und entwickelt ein „[…] Argument […], das zeigt, daß Materie zu dekonstruieren nicht heißt, die Brauchbarkeit des Begriffs zu negieren oder abzuschaffen”. (ebd.)
Die Analyse der Hervorbringung von Materie im Anschluss an Judith Butler soll anschließend mit Marx Konzept der Arbeit in dem Sinne, dass es produktiver- und reproduktiver Arbeit bedarf, um Materie herzustellen, verknüpft werden.

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
Hier wird begraben ein Körper, der mich unter sich begraben hat“. Die Produktion von Geschlecht durch Arbeit bei Thomas Braschs „Lovely Rita“

Vortrag im Rahmen des Kongresses "Kritische Theorie und Feminismus" im Februar 2019 in Frankfurt am Main
Abstract:
„Das Weibliche ist eine Form“, schrieb Silvia Bovenschen 1979 und formulierte damit einen entscheidenden Aspekt für diejenige kritischeTheorie des Geschlechts und der Gesellschaft, die um eine Vermittlung von materialistischen/differenzfeministischen und
poststrukturalistischen/dekonstruktivistischen Ansätzen bemüht ist. Wenn das „Weibliche eine Form“ ist, dann ist es nicht einfach da, sondern muss stets aufs Neue hergestellt werden. Diese Herstellung ist mit Arbeit verbunden, so eine These des Vortrags. Wenn Geschlecht durch Arbeit produziert wird, dann gilt es die Formen der Produktion genauer zu betrachten, um sich letztlich die Produktionsmittel von Geschlecht anzueignen.

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
Queerfeministische Solidarität zwischen Kollektivität und Identität

Artikel: Haug, Franziska: Queerfeministische Solidarität zwischen Kollektivität und Identität. In: Haug, Franziska/Dierker, Lena /Brunner,
Markus u.a. (Hg.): Zeitschrift für Kultur- und Kollektivwissenschaft.
Jg. 4, Heft 1/2018. Bielfed 2018.

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
„You wanna hot body? You better work bitch!“ – Ästhetische Verfahren der Produktion von Geschlecht als Arbeit

Vortrag auf dem X. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik. 14. bis 17.2.2018. Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main: „You wanna hot body? You better work bitch!“ – Ästhetische Verfahren der Produktion von Geschlecht als Arbeit.
Karl Marx konstatiert, dass es „[d]er Hauptmangel alles bisherigen Materialismus [sei], daß der Gegenstand die Wirklichkeit, Sinnlichkeit nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv.“1
Judith Butler schließt sich diesem Materialismusverständnis an, indem sie „Praxis als sozial verändernde Tätigkeit“ versteht, mit und durch die „der Gegenstand selbst verändernde Tätigkeit [ist].“ 2
Der Gegenstand – ein Körper, Name oder Geschlecht – praktiziert und produziert sich selbst. Das Geschlecht ist also nicht der Effekt einer Konstruktionspraxis, es ist die Praxis der Produktion selbst. Wenn wir Geschlecht in seiner konstruierten und diskursiven Verfasstheit dennoch – oder gerade deswegen – als sinnlich, ästhetisch, polymorph pervers, also ungeheuer-wirklich Materielles verstehen, dann ist es weder ein Effekt der Produktion, noch dessen Voraussetzung. Am Anfang steht die Produktion: „[Die] primär[e] Produktion: Produktion von Produktion.“3
Nach Britney Spears bedarf es, um eine richtige Frau zu sein, Arbeit: “You wanna hot body? You better work bitch! You want a Lamborghini? Look hot in a bikini? You better work bitch!” (Work B**ch, 2013). Rihanna parallelisiert Arbeit mit ihrem sexuellen Empfinden bzw. ihrer erotischen Praxis, indem Arbeiten und „dirty-sein“ gleichzeitig stattfinden: „You see me I be work, work, work, work, work, work. You see me do me dirt, dirt, dirt, dirt, dirt, dirt“ (Work, 2016). Mit Beispielen aus der Popkultur soll herausgearbeitet werden ob, und wenn ja wie, im Kapitalismus eine spezifische ästhetische Produktionspraxis verfolgt wird. Wie sind
die Produktionsverhältnisse beschaffen, in welchen sich Geschlecht herstellt? Welche Form der Arbeit, welche Werkzeuge sind hierbei notwendig? Wo sind die Produktionsstätten des Geschlechts; wer die Leiter*innen der Produktion? Diese Fragen sollen vor der Hintergrund einer Bestimmung queerer, subversiver Ästhetik diskutiert werden. Was kann eine queere Ästhetik der Produktion von Geschlecht sein, wenn unter queer keine Identität, sondern eine Praxis gefasst wird? Eine Praxis, die das ästhetische Verhältnis zur Welt bestimmt; eine Praxis, die mittels der normativen ästhetischen Formierungen gegen dieselben kämpft.

1 Marx, Karl/Engels, Friedrich: MEW 3: Thesen über Feuerbach.
Berlin 1958, S. 5.
2 Butler, Judith: Körper von Gewicht. Frankfurt 1997. S. 344.
3 Deleuze, Gilles/Guattari, Felix: Anti-Ödipus. Frankfurt 1974. S.13

Herausgabe: Zeitschrift für Kultur- und Kollektivwissenschaft. Jg. 4, Heft 1/2018

Herausgeber_innenschaft: Haug, Franziska/Dierker, Lena/Brunner, Markus/Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft/Telios, Thomas/Uhlig, Tom (Hg.): Zeitschrift für Kultur- und Kollektivwissenschaft. Jg. 4, Heft 1/2018. Bielfed 2018.

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
Antisemitismus – ein Nebenwiderspruch in queerfeministischen Diskursen?

Vortrag am 5. Juni 2017 in Oldenburg im Autonomen Aktions- und Kommunikationszentrum Alhambra: https://www.alhambra.de/

Audiomitschnitt: http://zurkritikdesantisemitismus.blogsport.eu/audio-mitschnitte-zur-veranstaltungsreihe-2017/
https://soundcloud.com/user-728566095/franziska-haug-vortrag-antisemitismus-05062017-oldenburg

[Workshop] Sprache & Geschlecht

Ist eine Sprache denkbar, welche frei ist von geschlechtlichen und sexuellen Diskriminierungen und wenn ja, wie könnte diese aussehen? Ist Sprache dabei vielmehr ein repräsentierendes Abbild der realen Verhältnisse oder ist sie selbst aktiv an der Hervorbringung und/oder Zementierung bestimmter Geschlechterbilder beteiligt? Diesen und ähnlichen Fragen soll im Workshop nachgegangen werden. Er soll für das Thema einer sog. geschlechtergerechten Sprache sensibilisieren und Möglichkeiten des praktischen Umgangs aufzeigen.

Dieser Workshop wurde mit Lehrer_innen einer Frankfurter Schule erstmals im Februar 2019 gehalten.

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
Antisemitismus - Nebenwiderspruch feministischer Diskurse?

Vortrag bei der Antifa Neukölln am 11. November 2016

Antisemitismus, Antizionismus und sogenannte Kritik an Israel wird in der letzten Zeit besonders in (queer)feministischen Kontexten laut: Die Petition #aufschrei wurde von etlichen BDS Befürworter*innen unterzeichnet, es werden Witze über „gehäutete Bänker*innen“ gemacht, die Vernichtung von Millionen Jüd*innen als „Repression“ beschrieben und etliche „Pink Washing Israel“ Gruppen kämpfen aktuell weltweit gegen das Existenzrecht Israels.
Woher kommt dieser Hass auf Israel innerhalb weiter Teile der linken Queer-Community? Muss Queerfeminismus, will er seinem Begriff gerecht werden, nicht per se gegen Antisemitismus sein? Dieser These soll anhand aktueller Debatten in dem Vortrag nachgegangen werden.

Artikel dazu in der Broschüre: "(K)eine Diskussion! Antisemitismus in der radikalen Linken: https://keinediskussion.noblogs.org/files/2018/01/K_eine-Diskussion-web.pdf

12. Salongespräche zur Mädchenarbeit: Antisemitismus und Mädchen*arbeit

Antisemitismus und Mädchen*arbeit
07.06.2018 118 Uhr
Museum Judengosse I Battonnstraße 47 1 60311 Frankfurt am Main I www.museumjudengasse.de
Die 12. Solongespräche zur Mädchen*arbeit laden zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus ein.
Antisemitismus ist in Deutschland ein tief verwurzeltes und strukturelles Problem. Auch feministische Mödchen*arbeit muss sich (selbst-)kritisch mit diesem vielschichtigen Themenkomplex befassen und ist aufgefordert sich der Frage zu stellen, wie sie sich im Kampf gegen Antisemitismus positioniert und aktiv beteiligt!
Inhaltlich werden wir uns der Komplexität des Themas über die Inputs dreier Referent*innen nähern. Einleitend führt Michal Schwartze auf Basis ihrer Erfahrungen und Praxis als queere Aktivist*in, Jüd*in und Lehrer*in in das Thema ein. neben einer begrifflichen Näherung soll es vor allem um die Frage noch Funktionen und Wirkungsweisen antisemitischer Vorurteile gehen und wie sich diese auf den pädagogischen Alltag auswirken. Anschließend wird Franziska Haug
(queerfeministische-linke Aktivist*in und Wissenschaftler*in) den Fokus auf Antisemitismen in queerfeministischen und linken Kontexten richten und neue Formen und Verstrickungen beleuchten. Saba-nur Cheema (Pädagogische Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank) wird anschließend über Möglichkeiten kritischer Intervention und Reflexion referieren und die Problematik von antimuslimischen Rassismen in Debatten um Antisemitismus beleuchten.
Daran anknüpfend wollen wir gemeinsam die Relevanz des Themas für die feministische Mädchen*arbeit herausarbeiten und die notwendigkeit von Selbstreflexion und Bildungsformaten diskutieren. Lasst uns zusammen Strategien für eine antisemitismuskritische feministische Mädchen*- und Bildungsarbeit entwickeln.

Dieser Vortrag ist auf: Deutsch
„You wanna hot body? You want a Bugatti? You want a Maserati? You better work bitch!“ – Zum Zusammenhang von Geschlecht und Arbeit im Kapitalismus.

Es sind komische Zeiten in denen wir leben. Bei Diskussionen mit Freund_innen oder Kolleg_innen kommt es leider nicht selten vor, dass wir uns zwischen Positionen wie „Diskriminierung von Frauen? Gibt`s doch gar nicht mehr“ und andererseits einem antifeministischen Rechtsruck von PEGIDA, AfD und Teilen der bürgerlichen Mitte wiederfinden, die Frauen* am liebsten wieder als Gebärmaschine hinter dem Herd sehen würden. Um es kurz zu sagen: Beides halten wir für Bullshit!
Wir haben mit dieser Veranstaltung vor, ein wenig Licht ins Dunkel zu werfen und uns genauer mit dem Verhältnis von Geschlecht und Kapital bzw. von Patriachart und Kapitalismus zu beschäftigen. Insbesondere die umstrittene Frage, was von beiden denn nun zuerst abgeschafft gehört oder wichtiger zu bekämpfen ist, soll Schwerpunkt dieser Veranstaltung sein.
Dabei möchten wir uns den Bereich der sogenannten (Re)Produktion genauer anschauen und zusammen diskutieren. Franziska Haug wird einen Inputvortrag halteDer Vortrag richtet sich an Einsteiger_innen und Interessierte an der Thematik.
Veranstalter*innen:
DGB Jugend in Kooperation mit dem Jugendbündnis zum 1. Mai

"You wanna hot body? You want a Bugatti? You want a Maserati? You better work bitch!"

Ein Artikel in der Ratsfrau Frankfurt zum Zusammenhang von Arbeit und Geschlecht im Kapitalismus.

Venusstern versus Genderstar. Star Wars oder der gemeinsame Griff nach den Sternen?

Montag 13.3.2017 // 19.30 Uhr // F*BZ, Oskarstr. 1, 01219 Dresden

Der Feminismus befindet sich im Wandel. Stand das Venussymbol - als Zeichen der zweiten Frauenbewegung - für die Frau als weibliches Wesen, das sich in Differenz zum Männlichen versteht, so steht das Sternchen, als Zeichen der Generation des Queer-Feminismus‘, für die Vielfalt aller Menschen – jenseits einer geschlechtsspezifischen Einteilung in Mann* und Frau*. Die Entwicklung des theoretischen Konzepts führt dabei zu heftigen Kontroversen zwischen Frauen und Frauen* (und auch Männern*). Die Veranstaltung lädt Frauen(*) und Männer(*) vom jeweils anderen Stern ein, einen Einblick in den theoretischen und alltagspraktischen Hintergrund des Differenz- bzw. Queerfeminismus zu gewinnen, Unterschiede zu verhandeln, Gemeinsamkeiten zu entdecken und den zugrunde liegenden utopischen Gehalt beider Konzepte gemeinsam zu diskutieren.

mit: Franziska Haug (Frankfurt a.M.) & Prof. Dr. Susanne Maurer (Philipps-Universität Marburg)
Moderation: Katrin Schröter-Hüttich (LAG Mädchen und junge Frauen in Sachsen e.V.)